Liegenschaftsfonds schickte dem schrägen Recycling-Projekt die Kündigung

Das Künstler-Paradies sieht ein wenig aus wie Pippi Langstrumpfs "Villa Kunterbunt". Überall in den
Hinterhof-Garagen stapelt sich Krimskrams wie Kronkorken, Fahrrad-Teile, Fliesen, Folien,
Wäscheklammern, Vorhänge. Für Berliner Künstler sind es Stoffe, aus denen sie verrückte Skulpturen
und Plastiken formen. "Kunst-Stoffe" heißt das Pankower Projekt passend. Jetzt soll es Parkplätzen
weichen.


"Das Gelände gehört nicht uns, sondern dem Liegenschaftsfonds", sagt Dr. Corinna Vosse. Sie war es,
die die Idee einer "Zentralstelle für wiederverwertbare Materialien" aus den USA mitbrachte. Einen Ort
dafür fand sie vor vier Jahren an der Berliner Straße 17 in Pankow. Das Prinzip: "Firmen und
Privatleute spenden, was sie nicht brauchen. Wir machen Kunst daraus - oder verkaufen es."


Zu dem Recycling-Team gehört Gina Neuwald (53), die Herrin des Stofflagers. Gerade hat sie einer
Flamenco-Tänzerin einen großen Batzen Samt für 7 Euro überlassen. Daraus soll ein Kleid für den
nächsten Auftritt entstehen. Neuwald: "Es ist schon traurig, dass wir hier weg sollen." Die
Verkehrsanbindung ist echt gut. Und die Kunst-Kurse für Kinder sind beliebt.


Aber auf handfesten Zoff mit dem Liegenschaftsfonds wollen sich die Krimskrams-Verwalter nicht
einlassen: "Es ist nun einmal dessen Aufgabe, landeseigene Grundstücke zu verwerten", sagt Projekt-
Chefin Dr. Corinna Vosse. Und der Bezirk Pankow braucht jetzt Parkplätze, weil auf dem nahen
Garbßtyplatz ein neues Geschäftshaus entsteht.


So leicht geben die Künstler auf? "Nein", sagt Gina Neuwald. "Wir kriegen wohl einen neuen Platz - in
Lichtenberg." MOW


Berliner Kurier, 11.10.2010, S.12/13