In New York gibt es so etwas schon lange, in Berlin erst seit 2006: einen Ort, an dem Müll gesammelt wird, um als Material wahrgenommen zu werden. Im englischen Sprachraum nennt man so etwas eine „Material for the Arts Site“ oder einfach nur „Crap Store“. Das Berliner Pendant dazu heißt Kunst-Stoffe, funktioniert als ein gemeinnütziger Verein und wird vor allem von Künstlern, Designern, Theatermachern und Pädagogen dankend genutzt.

Es liegt an uns zu entscheiden, was Müll und was wiederverwertbar ist.“ Dorothea Carl, eine der vier festen Mitarbeiter/innen von Kunst-Stoffe e.V., führt durch die gelb angepinselten Garagen des Geländes. Jede einzelne birgt Schätze an Weiterverwertbarem: Matratzen und Schaumstoffe, Tablettenverpackungen, Kronkorken, Plastikfolien, Holzkisten, Stoffabfälle, Lüftungsrohre, Farben, Kacheln, Holzreste, Eisen. Das Konzept ist einfach: Wer Materialien überhat, bringt sie zu Kunst-Stoffe. Kunst-Stoffe sortiert und lagert. Wer Material braucht, kommt und findet. Bezahlt wird nach Gutdünken. Spender als auch Finder erhalten auf Wunsch eine Quittung, die beim Finanzamt eingereicht werden kann.

Kunst-Stoffe ist aber viel mehr als nur Materiallager. Auf dem Gelände sind gut ausgerüstete Werkstätten untergebracht, in denen die Materialien gleich weiterverarbeitet werden können, ob mit Holzsägen, Schweißapparaten oder mit Nähmaschinen. Und wer nicht weiß, wie das funktioniert, kann es dort lernen. Der Verein bietet aber auch Bildungsangebote für Nachhaltige Entwicklung an, um die Idee des Upcyclings in Schulen zu etablieren. „Kinetische Kunst“, „Stadt der Zukunft“ oder „Happy Metall“, so heißt eine Auswahl von Workshops, in denen ganze Schulklassen oder Kindergeburtstagsgäste lernen, mit Müll kreativ zu sein. Alternative Ressourcen kennen lernen und damit umgehen: ein Kinderspiel bei Kunst-Stoffe.

www.kunst-stoffe-berlin.de

Berliner Straße 17, 13189 Berlin, Telefon: 030. 34 08 98 40

"NEU SAMMELN - Stoff für die Kunst: Kunst-Stoffe e.V.", TrenntMagazin, Nr. 1 [Frühling 2011], S. 9