Kunst-Stoffe: Aus Alt mach Kunst


Wenn Theaterinszenierungen abgesetzt wurden, landen die Kulissen meist auf dem Müll. Gleiches gilt für Basketballkörbe, die ihren Dienst getan haben, für altes Spielzeug, ausgebrannte Teelichter oder unmodern gewordene Gardinen. Das muss nicht so sein, meint zumindest der Verein „Kunst-Stoffe“ aus Berlin-Pankow. Er sammelt, was Andere wegschmeißen, und verkauft das Material für wenig Geld an Künstler und Schulklassen.


Judith Jacob, Verein Kunst-Stoffe: „Die Idee für unseren Verein stammt aus New York. Seit den 1970er Jahren werden dort wieder verwertbare Materialen gesammelt, sortiert und dann Künstlern für ihre Arbeit zur Verfügung gestellt. Die waren bis dahin auf der Suche nach außergewöhnlichen Werkstoffen immer auf sich gestellt und profitieren sehr von dieser besonderen Art des Recyclings.


Vor fünf Jahren wurde „Kunst-Stoffe“ in Berlin gegründet. Privatleute, aber auch Unternehmen geben bei uns alles Erdenkliche ab – von Bonbonpapier auf Rollen über Flugzeugsitze bis hin zu Lüftungsrohren war schon viel Kurioses dabei. Wir nehmen alles, was nicht giftig oder erkennbar nicht mehr nutzbar ist und verkaufen es günstig weiter.


Zu unseren Kunden gehören neben Künstlern auch Schulklassen und Privatleute. Sie können sich bei uns nicht nur mit Material versorgen, sondern dieses auch gleich vor Ort in unseren Werkstätten weiterverarbeiten. Darüber hinaus bieten wir für Kinder und Jugendliche Workshops an, in denen sie sich mit nachhaltiger Entwicklung oder ökologischer Gestaltung auseinandersetzen. Bei uns können sie lernen, dass man Vieles, statt es einfach in der Mülltonne verschwinden zu lassen, noch anderweitig nutzen kann.


Derzeit sind wir neun Mitarbeiter, Festangestellte und Honorarkräfte, und finanzieren uns neben den Einnahmen aus dem Materialverkauf vor allem über Spenden, Stiftungen sowie das Einwerben von Fördergeldern. Untergebracht sind wir als Zwischennutzung in einem Gebäude, das dem Land Berlin gehört. Die Miete, die wir dort zahlen müssen, ist verhältnismäßig gering, weshalb es bitter ist, dass wir wohl 2012 ausziehen müssen, weil das Land das Haus verkauft. Daher suchen wir nun einem neuen Standort, gerne auch in Kooperation mit anderen nachhaltigen kulturellen Projekten.“


Deutsch-Chinesisches Kulturnetz, Juliane Wiedemeier, Kolumne: Mitten aus der Großstadt, Berlin, August 2011


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