Der Verbund offene Werkstätten berichtet über KS

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Vom Abfall zum Einfall – witzige Werbung für Kunst-Stoffe e.V.

Dank einer gespendeten Werbekampagne kommt der Berliner Kunst-Stoffe e.V., die Zentralstelle für wiederverwertbare Materialien, an Bushaltestellen und auf Müllfahrzeugen groß raus.Seit 2006 sammelt der Verein Ausschüsse, fehlerhafte Chargen oder einfach Übriggebliebenes: Teppiche, Styropor-Buchstaben, Weihnachtsdeko; Alltägliches und Skurriles. Kunstschaffende, Bildungseinrichtungen oder Selbermacher*innen können die Restbestände zum Kostendeckungspreis erwerben. Schon lange fragt sich das Kunst-Stoffe-Team, was die Kund*innen mit den Materialien noch anfangen. Diese Überlegung rückt die Geschichte jedes Wertstoffs in den Blick: Vermeintlichem Papiermüll steht vielleicht noch eine bunte Zukunft bevor, etwa als Bienenmaske im Kampf gegen Pestizide.

Bislang sind nur wenige Käufer*innen der Bitte gefolgt, diese Materialgeschichten zu erzählen. Dabei zeigen gerade diese Stories, wieviel noch in den gebrauchten Ressourcen steckt! Aus dieser Beobachtung entstand der Plan, sich bei der Nachtschicht zu bewerben. Bei der Benefizveranstaltung legen Unternehmen aus der Kreativbranche eine nächtliche Worksession ein und entwerfen für NPOs unentgeltlich Kampagnen, Broschüren oder Webseiten. Um diese „Kompetenzspenden“ können sich ansässige gemeinnützige Vereine jeden Herbst bewerben. Aus insgesamt 55 Anträgen wurden Kunst-Stoffe mit 6 weiteren Berliner Organisationen für die Nachtschicht 2018 ausgewählt. Acht Mitarbeiter*Innen der Agentur Tinkerbelle haben sich in der Nacht vom 23. auf den 24.02. für das Wiederverwendungszentrum ins Zeug gelegt. Die entstandene Kampagne bringt den Ansatz des Vereins auf den Punkt, dass viele Abfälle wertvolle Ressourcen sind. Fünfzehn Abfallsammelwagen der Berliner Stadtreinigung rufen jetzt zum Materialcheck auf: Auf Plakaten an der Fahrzeugseite sind dicke Taue, bunte Folien oder Klebebänder abgebildet, in Großbuchstaben prangt darüber eine provokante Frage: Ist das schon Müll oder kann das noch Kunst? Die ironische Kampagne lässt Dinge hochleben, die eigentlich schon für die Tonne bestimmt waren.

Seit drei Monaten sind die BSR-Fahrzeuge in der Mission Wertstoffrettung unterwegs, die Stadtreinigung gehört zu den diesjährigen Unterstützern der Nachtschicht. Tinkerbelle konnte nun noch die Wall AG als Partner der Spendenaktion gewinnen: An 250 Bushaltestellen erinnern jetzt hochformatige Plakate daran, dass viele Abfälle durch smarte Einfälle vor dem Müll gerettet werden könnten. Am Bahnhof Friedrichstraße ist sogar eine kurze Animation zu sehen.

Ursprünglich stammt die Idee zur Nachtschicht aus den Niederlanden. Das wunderbare Prinzip, professionelle Leistungen im Bereich Marketing/Kommunikation/IT pro bono für gemeinnützige Einrichtungen zu spenden, findet inzwischen in immer mehr Städten Nachahmer. Auch in Berlin werden im kommenden Februar wieder Kreative eine Nacht lang zusammen brüten, konzipieren und entwerfen, um Vereinen und Initiativen zu mehr Öffentlichkeit zu verhelfen. Der Anmeldezeitraum steht aktuell noch nicht fest, wird voraussichtlich aber im November und Dezember liegen. Wer sich mit seinem Verein bewerben möchte, als Kreativer mithelfen oder als Unternehmen unterstützen will: Es lohnt sich, die Seite der Nachtschicht auf Facebook zu liken, um auf dem Laufenden zu bleiben, oder immer mal wieder auf der Homepage vorbeizuschauen. Auch wer gerne in seiner Stadt eine Nachtschicht auf die Beine stellen würde, findet dort handfeste Infos.

3.08.2018, Barbara Jennerwein, www.offene-werkstaetten.de

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